Schlecht beraten
In Zeiten knapper Kassen mit kostenloser Beratung zu werben, ist an sich nichts Schlechtes. Grenzwertig wird es, wenn man sich zusätzlich noch einen Firmennamen verpasst, der eine Verbindung zu den Verbraucherzentralen vermuten lässt, um so Vertrauen aufzubauen. Gerade in den Bereichen Versicherungen und Geldanlage versprechen sich findige Vermittler auf diesem Weg neue Kunden. Die Verbraucherzentrale Sachsen e.V. hat eine dieser Einrichtungen getestet und die Erfahrung gemacht: Kostenlos kann auch teuer werden.
Den ersten Fehler machte der Versicherungskaufmann schon am Anfang. Er teilte der alleinstehenden Berufseinsteigerin nicht mit, welchen Status er hat, Vertreter, Makler oder Berater. Des Weiteren machte er nicht darauf aufmerksam, welche Schlichtungsstelle bei einem möglichen Streit zuständig wäre. Diese Patzer kann man verschmerzen, wenngleich sie nicht vorkommen sollten. Entscheidend ist nach wie vor die Beratungsqualität zum Versicherungsschutz. Bei der privaten Haftpflichtversicherung lief noch alles perfekt. Dann folgten Tipps, die von der Verbraucherzentrale nur schwer nachzuvollziehen sind. Mittlerweile sollte jeder wissen, wie wichtig eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist. Sie wurde nicht angeboten, sondern eine Grundfähigkeitsversicherung, die deutliche Schwächen aufweist. Ebenfalls gänzlich außer Acht gelassen wurden staatlich geförderte Rentenmodelle wie die Riester-Rente. Stattdessen offerierte der Mann der jungen Frau eine fondsgebundene britische Rentenversicherung.
Jemand, der ohne Vorkenntnisse in das Gespräch gegangen wäre, hätte sich von den überzeugend dargebrachten Argumenten schnell blenden lassen. Besser ist es, sich vorab ein wenig zu informieren und einen seriösen Versicherungsmakler oder -berater aufzusuchen. Die meisten haben es nicht nötig, sich des Namens der Verbraucherzentralen zu bedienen, um Kunden anzusprechen. Sie haben sich mit guter Arbeit ihren eigenen Namen gemacht und beraten auch kostenlos – mit Mehrwert für den Beratungssuchenden.
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