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Donnerstag, August 28, 2008

Schmerzmittel nur noch auf Rezept?

Paracetamol werden nicht nur gute Wirkungen zugeschrieben. Auch die Nebenwirkungen sind nicht gerade ohne, vor allem dann nicht, wenn man große Mengen des Wirkstoffs der Schmerztabletten zu sich nimmt. So kann eine Überdosis Paracetamol dazu führen, dass es zu einem kompletten Ausfall der Leber kommt. Nun reagiert auch das Bundesgesundheitsministerium entsprechend und hat eine neue Verordnung auf den Weg gebracht. Wenn nicht noch jemand dieser Verordnung Steine in den Weg legt, werden Apotheker zum 1. April des nächsten Jahres neue Wege gehen müssen. Ab diesem Stichtag werden große Packungen des Schmerzmittels wohl nur noch auf Rezept an Kunden ausgegeben werden.

Ein Entwurf für die neue Verordnung sieht vor, dass nur noch Packungen mit maximal 20 Tabletten und einer Wirkstoffmenge von maximal 500 mg frei erhältlich sein dürfen. Die 500 mg entsprechen der Standard-Dosis für Erwachsene. Warum endlich eine neue Verordnung kommen soll, ist einfach zu sagen: Es gibt neue Erkenntnisse, die Bände sprechen über die Nebenwirkungen bei einer Überdosierung von Paracetamol. Was längst vermutet wurde, ist nun also auch zu Papier gebracht. So sagt zum Beispiel der Essener Arzt Ali Canbay: “Die Fälle von akutem Leberversagen, verursacht durch Medikamente, nehmen im Klinikalltag zu. Besonders häufig ist das gängige Medikament Paracetamol der Auslöser, Tendenz steigend”. In 80 Prozent der Fälle endet der Krankheitsverlauf, der äußerst schwer ist, mit dem Tod. Dies kann nur durch die Einpflanzung eines Spenderorgans vermieden werden.

Canbay ist Leiter einer Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema Leberversagen beschäftigt, mit den Ursachen und dem Aufkommen. Leider gibt es nicht sehr viele Daten dazu in unserem Land. Canbay sagt zu seiner Intention: “Wir wollen nicht ängstigen, sondern sensibilisieren. Paracetamol ist ein gutes Medikament. Es sollte jedoch nicht über längere Zeit in höheren Dosen eingenommen werden”. Paracetamol scheint Hepatitis als Ursache für das Leberversagen zu folgen. Damit es zu keiner „Wachablösung“ kommt, wird es ab nächstem Jahr hoffentlich zu der Neuverordnung des Bundesgesundheitsministeriums kommen. Der Empfehlung von Ärzten nach sollte Paracetamol nicht länger als drei Tage am Stück eingenommen werden, und es sollte die Höchstdosis von maximal 1,5 Gramm Paracetamol (drei Tabletten zu je 500 mg) bei Spannungskopfschmerzen eingehalten werden.

Bevor man aufgrund von Kopfschmerzen immer wieder zu Paracetamol greift, sollte man lieber zu seinem Hausarzt gehen und mit ihm über die Schmerz-Thematik sprechen. Leider haben Schmerzmittel die Folgewirkung, dass sie mit der Zeit auch abhängig machen können. Wenn das Schmerzmittel dann abgesetzt wird, kommt es aufgrund des Entzugs zu Kopfschmerzen, woraufhin der unwissende Patient dann wieder Schmerztabletten gegen diese Kopfschmerzen einsetzt. Das ist eine Spirale, aus der man kaum wieder entkommen kann, wenn man sie sich nicht bewusst macht. Wer häufig unter Kopf- und Nackenschmerzen leidet, sollte sich andere Möglichkeiten und Wege der Schmerzbekämpfung und / oder Schmerzreduzierung suchen. Je nach Ursache kann das Gymnastik sein oder verschiedene Entspannungsmethoden. Nicht jeder Schmerz sollte gleich mit einer Schmerztablette bekämpft werden. Mancher Kopfschmerz vergeht von selbst.

Bei Migräne hingegen sieht es anders aus. Hier sollte möglichst früh zu einem Schmerzmittel gegriffen werden, damit der Schmerz sich nicht ausbilden kann und noch schlimmer wird. Wegen eines geeigneten Medikamentes sollte aber lieber mit dem Hausarzt gesprochen werden, statt eine Eigendosierung mit Paracetamol vorzunehmen. Man muss sich bewusst machen, dass Medikamente keine Süßigkeiten sind, die keine Nebenwirkungen haben. Ganz im Gegenteil: Die Nebenwirkungen sollten beachtet und die Dosierungsanleitung unbedingt eingehalten werden. Deshalb heißt es in dem Entwurf zur neuen Verordnung auch: “Eine Begrenzung der Packungsinhalte von oral anzuwendenden, verschreibungsfrei erhältlichen paracetamolhaltigen Arzneimitteln ist somit angezeigt“.

Wenn der Entwurf am 13. Juni im Bundestag sein Ja bekommen hat, tritt die Verordnung am 1. April 2009 in Kraft. Dies ist notwendig, um den Pharmaherstellern wie auch den Apothekern eine Übergangsfrist zu gewähren. Momentan befinden sich Präparate mit Paracetamol im Gesamtwert von 25 Millionen Euro im Umlauf. Dies zeigt, wie groß der Markt und wie groß der Bedarf an Schmerzmitteln ist. Die gängigste Packungsgröße ist dabei die mit 15 Gramm, die 30 Tabletten in der Dosis zu ja 500 mg enthält.

Wie Ali Canbay sagte, ist es wichtig, die an Schmerzen leidenden Menschen in unserem Lande zu sensibilisieren. Nicht immer löst eine Schmerztablette oder gleich mehrere an einem Tag ein Schmerzproblem. Gerade wenn die Ursachen psychosomatischer Natur sind, also die Seele den Körper krank macht, sollten andere Wege beschritten werden.

Posted by Christel on 08/28 at 10:50 AM
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