Schulden über Schulden: Muss Europa richtig Angst haben?
Glaubt man den “wirtschaftlichen Hellsehern”, dann steht in Osteuropa eine Situation bevor, in dessen Sog auch die EU ins Trudeln geraten könnte. Gilt doch die Situation als kritisch, für die auch der Internationale Währungsfonds nicht mit den ausreichenden Mitteln für eine Rettung ausgestattet ist. Eine Tatsache, durch die sich die Rezession wohl schneller ausbreitet, als eine wirksame Lösung in Sicht ist.
Finanzminister und Zentralbanken gelten als in Verlegenheit, die nationalen Brandherde zu löschen, weil auch Zahlungen nachzukommen ist, die die Dramaturgie in der politischen Landschaft bestimmen werden.
Weitere Staaten werden sich im Strudel der Wirtschaftskrise finden, was der Rettung durch den Internationalen Währungsfonds bedarf. Die Schräglage der jeweils nationalen Banken und die hohe Schuldenlast hemmen die Wirtschaftsleistung, was für diese Länder zu Zahlungsschwierigkeiten und zur Währungskrise führen kann, wie es Island hat erfahren müssen.
Kapital aus dem Ausland wird in hohen Raten abgezogen; Deflation drückt die Preise, die Produktion wird gedrosselt, die Arbeitslosigkeit und die Schulden steigen. Kleinere Volkswirtschaften verzeichnen den Mangel an Kapital; die Ukraine taumelt; Polen, Lettland, Litauen und Ungarn steht die Depression bevor.
Mit bisherigem Blick auf Washington leiden die Länder am stärksten, die darauf setzten, dass mit Schulden finanziertes Wachstum zu mehr Wohlstand führt. Doch die Binnenmärkte wuchsen nicht mit; die Nachfrage blieb schwach; Kapital ist knapp; Unternehmen reduzieren ihre Verbindlichkeiten, um Ausfälle zu vermeiden.
Viva Austria!
Allein Österreich hat bereits 150 Mrd. Euro für die Rettung des ehemaligen “Ostblocks” aufgetrieben; eine Anstrengung, die nicht verwundert bei 230 Mrd. Euro Forderungen der österreichischen Banken an die Ost-Region, wohin man zuvor circa 70 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsprodukts “butterte”. Nicht mal 10 Prozent davon dürfen ausfallen, wenn der österreichische Finanzsektor nicht kollabieren soll.
Doch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) schätzt, dass zweifelhafte Forderungen der Österreicher sogar die 20 Prozentmarke erreichen könnten. So hat Osteuropa 1,7 Billionen US-Dollar von anderen Ländern kurzfristig geliehen, von denen in 2009 noch 400 Mrd. getilgt oder verlängert werden müssten - ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts der Region. Österreich, Schweden, Griechenland, Italien und Belgien sind hier als Gläubiger zu nennen.
Krisen auch politisch?
Wenn sich in osteuropäischen Hauptstädten die Krawalle verstärken, kann eine Wirtschaftskrise auch zu einer politischen Krise werden. Mit der Angst und der Wut in der Öffentlichkeit wächst auch die Gefahr des politischen Umsturzes. Die Regierungen benötigen harte Währungen und Zusagen, bevor sich die Wut in der Öffentlichkeit unkontrolliert entlädt.
Überall dort, wo bei Banken die Tagesgeschäfte mit den Investmentabteilungen verknüpft wurden, sind die Schulden unangemessen gewachsen. Die horrenden Verbindlichkeiten gefährden nun die gesamte Weltwirtschaft. Europa ist monetär verseucht, wofür die Keime an der Wall Street ” in den Fluss” kamen.
Manch einer würde zwar gut heißen, wenn die Regierungen den insolventen Finanzinstituten die Finanzhilfen versagen würden. Doch was ist vernünftig?
Die pekuniäre “Notfall-Medizin” stellte fest: rund 40 Prozent des globalen Wohlstands wurde bereits ausgelöscht; die Arbeitslosigkeit steigt, die Steuereinnahmen sinken, die Märkte geraten in Schockstarre, der Markt für Immobilien wackelt, die Staatsschulden wachsen und das Vertrauen der Verbraucher ist futsch.
Wieviel Zeit bleibt, alte und neue Denkweisen zu praktizieren? Denn die Weltwirtschaft ist konfrontiert mit sämtlichen Anzeichen für einen systemischen, nur mäßig kontrollierbaren Kollaps. Ob die Politiker immer den Sachverstand haben, die Symptome zu erkennen und die Therapie bevor es zum Big Bang kommt, bleibt öfters fraglich…
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