Schweizer Versicherungen entdecken die Frau
Über die Rolle der Frau in der Schweiz könnte man lange lamentieren. In dieser Hinsicht ticken die eidgenössischen Uhren ein wenig anders. Zumindest die Versicherungsbranche hat jetzt erkannt, dass Frauen weit mehr Potenzial zu bieten haben als bislang vermutlich angenommen – vor allem in finanzieller Hinsicht. Die Damen in der Schweiz verfügen im Schnitt über 80.000 Franken und gehören damit zu den Spitzenverdienerinnen in der EU. Der Boom bei den Versicherungen speziell für Frauen war also nur eine Frage der Zeit und schlägt sich langsam aber sicher auch auf die Angebotspalette nieder.
Nachholbedarf ist auf jeden Fall vorhanden. Dazu reicht ein Blick in die Versicherungsordner. Bei den Frauen sind sie noch relativ dünn und spärlich gefüllt. Nur 27 Prozent der Eidgenössinnen haben eine eigene Lebensversicherung. Bei den Herren ist die Quote mit 41 Prozent aus Sicht der Versicherungswirtschaft zwar auch nicht optimal, aber deutlich besser. Abgesehen davon, dass sie Geld, aber nur wenige Versicherungen haben, spricht auch ihre „Treue“ für die Frauen. Sie gelten als ideale Kunden, weil sie deutlich seltener Ausschau nach einer neuen Assekuranz halten als die Männer. Dass sie zudem selten Unfälle verursachen und in einen Unfall verwickelt sind, macht sie für so manchen Versicherungsvertreter umso attraktiver.
Weshalb die Unternehmen ihre Produkte aber erst im Ausland testen, um dort zu kontrollieren, wie erfolgreich der Vertrieb ist, mag verstehen, wer will. Die Zurich zum Beispiel bietet in Argentinien eine Lebensversicherung an, bei der die Todesfallleistung bei typischen Frauenkrankheiten wie Brustkrebs um zehn Prozent höher liegt. Aus Österreich stammt die Idee, Zusatzversicherungen für Kinderwunschbehandlungen oder kosmetische Gesichtsoperationen nach Unfällen einzuführen. „Nach den guten Erfahrungen im Ausland prüft auch die Zurich Schweiz spezifische Versicherungslösungen“, heißt es. Bereits reagiert hat die Allianz Suisse bei der Kfz-Versicherung. Sie ist für Frauen deutlich günstiger. Und die Axa schenkt der Damenwelt ein Jahr die Prämie, wenn noch keine Privathaftpflichtversicherung abgeschlossen wurde, was bei über 60 Prozent der Fall ist.
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