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Sonntag, Juni 22, 2008

Sechzig Jahre Soziale Marktwirtschaft / Deutsche Mark

Es ist ein zweifaches Jubiläum, das unser Land in diesen Tagen feiert. Die Soziale Marktwirtschaft in unserem Land wurde sechzig Jahre alt. Die Deutsche Mark, die es seit dem 1. Januar des Jahres 2002 gar nicht mehr gibt, auch. Wichtige Jubiläen, die auf der einen Seite zeigen, wie lange in Deutschland schon ein funktionierendes Wirtschaftsleben stattfindet. Auf der anderen Seite jedoch regen sie zum Nachdenken an, zum Wunsch nach Veränderung. Bei der DM ist diese bereits eingetreten. Der als „Teuro“ beschimpfte Euro ist nun sechseinhalb Jahre unsere Währung, und die vieler anderer Länder des Euro-Raums. Wir brauchen nicht mehr Geld umtauschen in andere Noten, wenn wir über die Grenze unseres Landes reisen. Die Grenzen selbst sind nahezu unsichtbar geworden.

Die Soziale Marktwirtschaft hingegen ist im Laufe der Jahre immer wieder und immer mehr erschüttert worden. Immer wieder wurden auch Rufe laut, eine Freie Marktwirtschaft im Stile der USA einzuführen. Aber dafür waren wir nie bereit. Und sind es vielleicht auch niemals. Dennoch müssen wir eine andere Richtung einschlagen, neue Wege gehen. Die Zeiten des Wirtschaftswunders sind längst vorbei, Ludwig Erhard, der Vater der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland und der Vater des Wirtschaftswunders, ist längst Vergangenheit. Es hat sich eben viel verändert in diesem Staat.

Im sechzigsten Jahr der Sozialen Marktwirtschaft, in dem die Deutsche Markt längst Vergangenheit ist, stellt sich die Frage: Brauchen wir sie wirklich noch, die regulierenden und wettbewerbspolitischen Maßnahmen des Staates, welche die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale zur Freien Marktwirtschaft sind? Doch auch diese scheint nicht wirklich zu funktionieren, wie man am Beispiel des immer wieder durch Krisen taumelnden und gebeutelten Amerika sehen kann. Brauchen wir also nicht eher eine neue „Möglichkeit“, unser Wirtschaftsleben auf gute Weise wieder in Schwung zu bringen? Denn gerade in diesen Zeiten wird mehr und mehr nach dem Staat gerufen.

Die Renten, die nicht sicher sind. Die sozialen Leistungen, die immer weniger werden. Die massiven Streichungen im Leistungskatalog der Krankenkassen… All das lässt den „verwöhnten“ Deutschen allzu schnell nach Vater Staat rufen. Nur, an bestimmten Punkten sind diesem die Hände gebunden, trotz Sozialer Marktwirtschaft. Es ist nun einmal so, dass weniger Arbeitnehmer für immer mehr Rentner zahlen. Die private Vorsorge ist einfach unerlässlich geworden, da geht kein Weg daran vorbei, egal, wie oft und laut Otto Normalverbraucher oder Erika Mustermann nach dem Staat und seinem Eingreifen schreit. Auch die sozialen Leistungen können nicht endlos und immer wieder weitergegeben werden in dem gleichen Stile wie bisher. Auch das ist Fakt. Es kann nicht endlos Geld „reingepumpt“ werden in ein System, das sich längst selbst überholt hat – die Soziale Marktwirtschaft. Die Menschen in unserem Land, sechzig Jahre fast „verwöhnt“ von der Tatsache, dass es immer genug Geld für die Rente, genug Geld für das Gesundheitssystem gab, sind immer mehr geschockt, dass es eben nicht mehr so geht. Immer weniger wird in Zukunft von staatlicher Seite aus geleistet werden. Die Bedeutung der privaten Vorsorge, in Bereich der Altersvorsorge wie auch im Bereich der Gesundheit ist nicht mehr weg zu schieben. Verdrängung gar, weil man immer noch das Wirtschaftswunder im Kopf hat, kann fatale Auswirkungen im Alter oder im Krankheitsfall, schlimmstenfalls beides, haben.

Vielleicht ist es gerade deshalb, in diesem Jahr, in dem die Soziale Marktwirtschaft und die Deutsche Mark ihre zusammen 120 Jahre feiern, so wichtig, eine Bilanz zu ziehen. Um dann mit offenen Augen das Ergebnis unter dem Strich zu betrachten und entscheidende Veränderungen zu bewirken. Die Welt verändert sich, der Zeitgeist ändert sich. Nun ist es an der Zeit, dass auch unser Wirtschaftssystem dem neuen Jahrtausend angepasst wird. Dieses hat längst begonnen, nun müssen nur wir noch beginnen. Damit, einen neuen Weg einzuschlagen, und zu sehen, dass jeder seinen Teil zur Zukunft unseres Landes beitragen kann. „Du bist Deutschland“? Nein, ICH bin Deutschland. Wie jeder andere Bürger dieses Landes auch. Wir müssen anfangen. Ich fange an. Oder besser: Ich habe bereits angefangen. Meine Riester Rente ist mir sicher. Meine nächste Brille dank privater Zusatzversicherung auch. Wann fangen SIE an?

Posted by Christel on 06/22 at 12:34 PM
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