Statusmeldungen in sozialen Netzwerken könnten Versicherungen teurer machen
Ende November 2009 geisterte die Meldung durch die Medien, dass eine kanadische Versicherung einer Frau die Leistung strich, weil sie Bilder von sich auf Facebook veröffentlicht hatte. Da sie auf den Fotos lache, sei sie nicht depressiv, sondern könne arbeiten, lautete damals die Begründung. Ein Versicherungsexperte aus England geht jetzt noch einen Schritt weiter: Er prophezeit höhere Prämien, weil zu viele private Informationen über Netzwerke wie Facebook und Twitter verbreitet werden und es Dieben damit erheblich leichter machen.
Freunden und Bekannten mitzuteilen, man sei jetzt für drei Wochen im Urlaub und freue sich auf den Strand, mag auf den ersten Blick harmlos sein. Beim falschen Adressaten ist es wie eine Einladung. Da nützt es auch nichts, wenn die Nachbarn sich um die Post, die Blumen und den Rasen kümmern oder eine Zeitschaltuhr das Licht ein- und ausschaltet. Inzwischen gibt es mit „pleaserobme.com“ - übersetzt: Bitte raub mich aus – sogar eine Internetpräsenz, auf der entsprechende Statusmeldungen von Twitter und anderen Seiten zu finden sind. Der Hinweis, man verlasse das Haus und trinke einen Kaffee beim Bäcker, reicht manchmal schon aus, um andere auf dumme Gedanken zu bringen.
Wem die Gefährdung durch persönliche Infos im Netz zu theoretisch scheint: Ein Video-Podcaster aus den Vereinigten Staaten fand sein Haus leergeräumt vor, als er nach einer Reise zurückkam. Von unterwegs hatte er fleißig getwittert, damit jeder wusste, wo er sich gerade aufhält. Für den Experten ist das Grund genug zur Annahme, dass Gebührensteigerungen von bis zu zehn Prozent möglich seien – zumindest für die Nutzer der sozialen Medien. Denn im Schadensfall werden die Versicherungen genau prüfen, ob nicht möglicherweise eine Kurznachricht im Netz den Dieb erst auf die Idee gebracht hat, es mal bei dieser Adresse zu versuchen.
Im Gespräch mit der „Zeit“ erklärte Katja Klopsch von der Asstel, es gebe zwar noch keine geltende Rechtsprechung zu diesem Thema. Geprüft werden müsse aber, ob der Kunde vielleicht grob fahrlässig gehandelt habe, wer online über was informiert wurde und wie leicht es war, die Anschrift zu ermitteln. Persönliche Daten sollten daher eher sparsam im Internet verbreitet werden. Das gilt auch für Kinder. In Großbritannien heißt es diesbezüglich, Eltern haften für ihre Kinder. Wenn der Nachwuchs bei Facebook oder Twitter aktiv ist, könnten die Gebühren steigen, mahnt ein Versicherungsunternehmen. Von daher: Internetnutzer dürfen alles essen, müssen aber nicht alles wissen.
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