Steht sich die PKV selbst im Weg?
Dass Deutschlands Wartezimmer zweigeteilt sind, ist unter Versicherten schon lange kein Geheimnis mehr. In der Politik und vor Gerichten wird hingegen immer noch darüber gestritten, welche Patienten wohin gehören und wie weit die gesetzlichen Kassen gehen dürfen. Gerade die privaten Krankenversicherungen hadern immer wieder mit einer Gesundheitspolitik der Bundesregierung, die nach Meinung der PKV auf die systematische Zerstörung der privaten Versicherung angelegt ist.
Um diese Behauptung zu untermauern, werden die Einführung des Basistarifs oder Einschränkungen des Wechselrechts aufgeführt. Gerade letzteres Argument zeigt deutlich, wie verbissen der Kampf um Versicherte an der Oberfläche geführt wird. Schaut man dagegen hinter die Kulissen, scheinen die privaten Versicherungen ihre Möglichkeiten nur im Ansatz auszuschöpfen. In den vergangenen Wochen haben sich die Diskussionen lediglich auf die freiwillig Versicherten der GKV konzentriert, die noch 3 Jahre bis zu einem Wechsel in die private Krankenversicherung warten müssen.
Betrachtet man aber die Zahl der Versicherten in der GKV, denen ein Wechsel bereits heute möglich ist, so sticht ein klares Missverhältnis ins Auge. Jedem freiwillig Versicherten, dem die 3-jährige Wartezeit auferlegt wird, stehen etwa 7 – 8 Versicherte gegenüber, die einen Wechsel ohne Probleme vollziehen könnten. Einen Mangel an potenziellen Neukunden dürfte die PKV aufgrund dieser Zahlen eigentlich nicht beklagen, der Fingerzeig auf die Gesundheitsreform steht auf den zweiten Blick also auf tönernen Füßen.
Viel eher sollten sich die Versicherungsgesellschaften fragen, warum ein so großer Teil der freiwillig Versicherten der GKV erhalten bleibt. Anstatt immer auf die Fehler der Anderen hinzuweisen und zwischen den Stühlen hin und her zu wechseln, verspricht der Blick auf die eigenen Vorteile an dieser Stelle sicher wesentlich mehr Erfolg.
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