Unfallvortäuscher kosten Versicherungen Geld und die Versicherten Nerven
Jährlich müssen Haftpflichtversicherungen ein Vermögen für die Übernahme von Unfallkosten bei zahlreichen Verkehrsunfällen ausgeben, die bewusst herbeigeführt worden sind. Haftpflichtversicherungen haben für die Schäden ihrer Versicherungsnehmer meist aufzukommen und so kommt es häufiger dazu, dass der von der Haftpflichtpolice gezahlte Schadensersatz an den eigentlichen Täter geht. Der betrogene Versicherungsnehmer muss die Kosten für die Reparatur des eigenen Fahrzeugs bezahlen und hat darüber hinaus eine Zurückstufung beim Schadensfreiheitsrabatt zu erwarten, sollte er den Betrug nicht beweisen können - und das ist sehr häufig der Fall.
Versicherungsgesellschaften werden häufig erst bei Schäden mit größerem Umfang aktiv. Kleinere Schäden werden regelmäßig auch dann gezahlt, wenn entsprechende Hinweise auf Betrug vorliegen. Die Täter erhalten dadurch die Reparaturkosten auf Basis eines Kostenvoranschlages oder Sachverständigengutachtens. Ungefähr 1,5 Millionen EURO Schadensgeld werden aus diesem Grunde pro Jahr von den Versicherungen zusätzlich gezahlt. Das es dabei um unnötig gezahltes Geld, welches meist nicht einmal für die Reparatur verwendet wird, ist eindeutig.
Angaben der deutschen Versicherer, GDV, zufolge gibt es drei gängige Muster für provozierte Unfälle. Besonders beliebt bei den Betrügern sind komplizierte Verkehrsführungen. An solchen Verkehrproblempunkten, die den Tätern bestens bekannt sind, fahren diese so lange umher, bis ihnen ein ortsunkundiger Fahrer begegnet, bei dem sie leicht einen Streifschaden während eines Spurwechsels provozieren können. Auch ist es dabei üblich, dass der Täter mit freundlichem Handzeichen das Wechseln der Fahrbahn anbietet, was letztendlich für den „Geschädigten“ schwer nachweisbar ist. Eine weitere Masche nennt sich Ampeltrick. Dabei provoziert der Täter einen Auffahrunfall, indem er im letzten Moment bei Wechsel von Gelb auf Rot der Ampel abrupt bremst. Dann gibt es noch den Kreuzungstrick, wobei der Täter sich meist hinter einer Hecke versteckt und beim Annähern des anvisierten Autos in der letzten Minute in die Kreuzung einfährt. Da die Täter vermehrt von rechts kommen, stehen die Aussichten sehr schlecht für die Opfer, ihre Unschuld beweisen zu können.
Auch die Polizei kennt alle diese kriminellen Vorgehensweisen, jedoch ist die Beweislage immer zu Gunsten des Täters. Doch es gibt auch Indizien, die neben der Polizei auch den Versicherer hinsichtlich der Schuldfrage interessieren. Sollte der Kfz-Fahrer explizit darauf hinweisen, dass er sich wie hereingelegt gefühlt hatte, werden die Umstände des Unfalls noch einmal exakter betrachtet.
Entscheidend ist, unmittelbar am Unfallort Fotos vom Unfallfahrzeug des Gegners zu machen. Meist sind die verwendeten Fahrzeuge bereits in eine Reihe von Unfällen benutzt worden, weswegen sind auch wie „geflickt“ aussehen. Freiwillige Zeugen des Opfers sind in solchen Fällen oft Komplizen des Täters und so für die Zeugenaussage eher nachteilig.
Ein klarer Hinweis darauf, dass der Unfall vorgetäuscht ist, ist das wohlmöglich sehr sichere Auftreten des Opfers. Sie sind sehr routiniert und verhalten sich daher nicht so, wie es ein wirkliches Unfallopfer tun würde. Nichtsdestotrotz muss nicht bei jedem Unfall Betrug vermutet werden. Nützlicher ist es, den Unfallhergang in Ruhe zu überdenken.
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