Versicherer entdecken die Geldanlage
Wohin mit dem Geld, wenn eine Lebensversicherung fällig wurde? Entweder man erfüllt sich einen lang gehegten Wunsch oder legt das Kapital an. Die zweite Variante haben jetzt auch die Versicherer entdeckt und bieten ihren Kunden gleich die passende Lösung, meistens in Form von Festgeld. Dass die Konditionen besser sind als bei den meisten Banken, hat Methode. Warum das Geld an ein Kreditinstitut verlieren, wenn man es selbst anlegen kann? Zudem hält man den Kunden ein wenig länger und gewinnt über die Festgeldanlage möglicherweise neue Versicherungsnehmer.
Der Bekanntheitsgrad der Angebote tendiert momentan noch eher gegen Null. Konsequent beworben werden die Anlageprodukte noch nicht, obwohl sie sich nicht hinter der Konkurrenz der Banken verstecken müssen. Das sogenannte Parkdepot der AachenMünchener bietet einen Zinssatz von 2,25 Prozent im Jahr und erlaubt, monatlich über das Kapital zu verfügen. Das entspricht dem klassischen Festgeld mit einer Laufzeit von einem Monat. Banken zahlen dafür im Schnitt nicht mehr als 0,5 Prozent. Den Grund für die hohe Verzinsung nennt eine Sprecherin der Allianz: „Wir wollen den Kunden die Möglichkeit geben, das Geld einer ausbezahlten Police bei uns zu attraktiven Konditionen zu parken“. Die Allianz verzinst das Guthaben mit 1,6 Prozent.
Sowohl AachenMünchener als auch Allianz vertreiben ihre Anlageprodukte derzeit ausschließlich über Vertreter. Sie kümmern sich um die nötigen Formalitäten. Dass die Angebote auch für Neukunden gelten – anders als bei der Zurich Versicherung, die nur das Geld aus einer abgelaufenen Lebensversicherung zu 3,25 Prozent anlegt –, eröffnet den Unternehmen die Chance, auch für ihre reinen Versicherungsprodukte die Werbetrommel zu rühren. Dieses Vorgehen wird unter anderem von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kritisiert: „Wenn ein Vertreter ins Haus kommt, muss man schon sehr standhaft sein. Das schriftliche Angebot eines Direktversicherers lässt sich einfacher im Papierkorb entsorgen.“.
Dass bereits weitere Anlageprodukte angeboten werden zeigt, dass es sich für die Unternehmen durchaus lohnt. Die Allianz offeriert Kunden, die mindestens zwei Policen des Konzerns halten, zum Beispiel den Sparschatz. Er erinnert an die Bundesschatzbriefe, ist aber mit einer Verzinsung, die innerhalb von fünf Jahren von 2.00 auf 3,80 Prozent steigt, deutlich rentabler. Kunden sollten sich dennoch genau informieren. Zum einen über die Mindesteinlage, die teilweise 5.000 Euro beträgt. Zum anderen über die Einlagensicherung. Zuständig ist hierfür die Protektor AG, die 250.000 Euro absichert.
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