Versicherungen müssen sich auf eine deutlich schwächere Nachfrage einstellen
Die vor einigen Monaten getroffene Aussage, die Finanzkrise sei keine Krise der Versicherungen, gerät angesichts des neuen Assekuranz Absatzpotenzial-Index, kurz ASSDEX, gehörig ins Wanken. Gerade einmal 42 Zähler erreichte der von der psychonomics AG ermittelte Index, der sowohl die Abschlussbereitschaft als auch die Intention, konkret einen Vertrag zu unterschreiben, berücksichtigt. Damit verliert der ASSDEX über 15 Prozent und sackt auf ein historisches Tief ab. Im letzten Quartal 2008 erreichte er noch einen Wert von 58. Mit Blick auf die einzelnen Versicherungssparten, kann lediglich der Bereich Altersvorsorge das Niveau halten und bestätigt damit die Einschätzung der Makler im Rahmen ihres Absatzbarometers, dass Rürup- und Riester-Renten am ehesten nachgefragt werden.
Von den 3,2 Millionen potentiellen Verträgen im ersten Quartal 2009 – 4,6 Millionen waren es im Vergleichszeitraum des Vorjahres – entfallen 0,2 Millionen auf die Altersvorsorge. Der Bereich Schaden-Unfall-Haftpflicht musste deutliche Einbußen hinnehmen. Statt bei 1,6 Millionen liegt das Potenzial für Neuabschlüsse nur noch bei 1,2 Millionen. Bei den Kfz-Versicherungen ging die Zahl um 300.000 auf 1,2 Millionen zurück – was sich unter anderem mit dem Stichtag für einen Vertragswechsel, den 30. November, erklären lässt. Abstriche mussten auch die Sparten Krankenversicherung und Rechtsschutz hinnehmen.
Die generelle Bereitschaft, eine Versicherung abzuschließen, ist weitgehend gleich geblieben. Die kurzfristige Intention hingegen hat deutlich nachgelassen. Unterschieden werden muss hier nach Altersklassen. Nur bei den über 70-jährigen stieg die generelle Abschlussbereitschaft. Die 31- 50-jährigen und die 51- bis 70-jährigen sind in dieser Hinsicht etwas zurückhaltender geworden. Interessanter für den Markt ist die konkrete Abschlussbereitschaft. Denn hier ist in allen Altersgruppen ein Abwärtstrend zu beobachten, der sich besonders bei den unter 30-jährigen bemerkbar macht. Der Wert liegt hier nur noch bei 18 Prozent und damit zwei Drittel unter dem vorherigen Quartal.
Freuen dürfen sich DEVK, HUK-Coburg, AachenMünchener, CosmosDirekt, HDI Gerling und Axa. In den Sparten Schaden, Unfall und Haftpflicht haben sie in der Kundengunst gewonnen. Bei der Altersvorsorge stehen CosmosDirket und AachenMünchener auf der Siegerseite. Für die gesamte Branche gilt allerdings, so Studienleiter Christoph Müller angesichts der Zahlen: „Der Versicherungsvertrieb wird es in den kommenden Wochen und Monaten infolge der wirtschaftlichen Verunsicherung nicht leicht haben, die Kunden von Neuabschlüssen zu überzeugen.“
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