Versicherungsbetrug: Schaden von vier Milliarden Euro jährlich
Die Versicherung zahlt schon. Davon gehen nicht nur ehrliche Kunden aus, die tatsächlich Hilfe benötigen, sondern auch Versicherungsnehmer, die lediglich ihr Portemonnaie füllen möchten. Das Thema Versicherungsbetrug entpuppt sich für die Branche immer mehr als Fass ohne Boden. Den jüngsten Statistiken des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zufolge entsteht den Unternehmen Jahr für Jahr ein Schaden von knapp vier Milliarden Euro.
Dabei haben viele, die ihre Assekuranz betuppen wollen, nicht einmal ein schlechtes Gewissen. Laut einer Umfrage der GfK Finanzmarktforschung zum Thema „Versicherungsbetrug in Deutschland“ gehen 23 Prozent der Bundesbürger davon aus, dass jeder zumindest einmal im Leben die Versicherung übers Ohr haut. Für 21 Prozent handelt es sich lediglich um ein Kavaliersdelikt, „wenn man die Versicherung einmal mehr bezahlen lässt, als unbedingt nötig wäre“. Als wenn diese Daten nicht schon unerfreulich genug wären, halten 79 Prozent der bis 29-Jährigen und 76 Prozent der 30- bis 39-Jährigen es für relativ einfach, die Versicherung abzuzocken.
Hausrat- und private Haftpflichtversicherung stehen in dem Zusammenhang mit einer Quote von 43 bzw. 41 Prozent ganz oben auf der Liste der Betrüger. Schlusslicht ist vor der Kfz-Kaskoversicherung (23 Prozent) die Wohngebäudeversicherung (16 Prozent). Spartenübergreifend steht inzwischen hinter jeder zehnten Schadensmeldung ein Betrugsversuch. Die Hauptrolle spielen Smartphones und Notebooks. Fatal hierbei: „Da werden defekte Geräte zum Beispiel über Onlineauktionen verkauft, und dann immer wieder als Versicherungsschaden gemeldet“, weiß GDV-Sprecherin Katrin Rüter de Escobar. Unter dem Strich seien 45 Prozent der eingereichten Schäden unbegründet und erfolgten 36 Prozent der Meldungen mit Betrugsabsicht. Zwar bemühe sich die Branche, den Missbrauch einzudämmen. Das Internet – etwa besagte Onlineauktionen – biete Betrügern aber viele neue Möglichkeiten, es einfach mal zu versuchen. Erwischen lassen sollte man sich dabei nicht: Selbst wenn nur bei einem kleinen Teil der Schadensmeldung geschummelt wird, geht der Kunde leer aus. Hinzu kommt ein Eintrag in das Hinweis- und Informationssystem (HIS), die „schwarze Liste“, der Versicherungsbranche. Damit wird es dann relativ schwer, sich erneut zu versichern.
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