Viele Fragen, viele Optionen und nicht für jeden: die Berufsunfähigkeitsversicherung
„Versicherungsmedizinische Gründe“ heißt es vonseiten der Assekuranzen, wenn sie einen Kunden wegen Vorerkrankungen oder einer medizinisch eher schlechten Prognose ablehnen bzw. ihm nur einen Vertrag mit Risikoaufschlag oder Ausschlüssen anbieten. Das passiert bei der Berufsunfähigkeitsversicherung besonders oft. Die Stiftung Warentest hat ihre Leser im vergangenen Jahr deshalb aufgerufen, ihre Erfahrungen mit dem Antrag auf einen BU-Schutz zu schildern. Gleichzeitig startete sie eine Onlineumfrage, laut der von 1.200 Teilnehmern letztlich nur 700 Erfolg hatten.
Bei den 274 Fällen, die von der Redaktion intensiver ausgewertet wurden, erhielten 66 Verbraucher den gewünschten Vertrag ohne Abstriche. Die übrigen 208 AntragstellerInnen für eine Berufsunfähigkeitsversicherung mussten sich mit Einschränkungen zufriedengeben, wurden abgelehnt oder haben aufgrund der Konditionen selbst das Handtuch geworfen. In Zahlen: Bei 56 Kunden wurde der Vertrag modifiziert, mit geringerer Rente, Zusatzbeiträgen oder anderen Laufzeiten. 152 gingen leer aus. Davon 82, weil ihnen das Angebot nicht akzeptabel erschien und 70, weil die Versicherung sie nicht als Kunden haben wollte.
Die Teilnehmer der Studie – im Schnitt 33 Jahre alt und mit dem Ziel, eine Berufsunfähigkeitspolice über eine Rente von 1.000 Euro mit Laufzeit bis zum Alter von 65 Jahren abzuschließen – hatten sich vor allem an Unternehmen gewandt, deren Tarife von der Stiftung Warentest mit „gut“ oder „sehr gut“ bewertet worden waren. Dazu nutzten sie hauptsächlich das Internet, einige wandten sich an Vermittler oder Vertreter. Die ersten Angebote, die dabei erstellt werden, haben keinen verbindlichen Charakter. Die genauen Bedingungen und die Prämie teilt die Versicherung erst mit, nachdem die Daten aus dem Antragsformular geprüft und gegebenenfalls der Bericht vom Hausarzt vorliegt. Das dauert – von einigen Wochen bis zu einem Jahr.
Das Wichtigste: ehrlich bleiben. Wer bei den Fragen zur Gesundheit die Wahrheit ein wenig zu seinen Gunsten verdreht, läuft Gefahr, später keinen Cent zu erhalten. Auch die Hinweise von Vermittlern, dieser oder jene Punkt im Fragebogen sei nicht relevant oder es komme nur auf aktuelle Vorerkrankungen an, führen zu Problemen. Dass die Versicherungsvermittler schon einmal etwas „unter den Tisch“ fallen lassen, zeigten die Berichte der Test-Teilnehmer. Problematisch wird es auch, wenn der Arzt gleich die ganze Krankenakte einreicht. Besser ist es, vorher mit dem Hausarzt zu sprechen. Dass selbst Bagatellen wie Pubertätsakne zu Ausschlüssen führen, kann passieren, hängt aber von der Versicherung ab. Laut Test kann sich Verhandeln durchaus lohnen.
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