Viele Lebensversicherungen werden verkauft
Der Verkauf von Lebensversicherungen nimmt auch in Österreich deutlich zu. Nur wenige Kunden halten ihre Policen bis zum Ende der Laufzeit. Die Mehrheit versilbert sie vor Ablauf. Firmen, die sich auf den Zweitmarkt für Lebensversicherungen spezialisiert haben, gehen davon aus, dass bei unseren Nachbarn über die Hälfte der Verträge storniert wird. Die Gründe für diesen Schritt decken sich mit denen in der Bundesrepublik: Arbeitslosigkeit und Schulden.
Die Aufkäufer können sich über mangelnde Nachfrage nicht beklagen. Im vergangenen Jahr wurden alleine in Österreich über 170.000 Verträge aufgelöst. Anders als in den USA handelt sich bei dieser Art von Geschäft nicht um eine Wette auf den Tod, bei der die Investoren mehr verdienen, wenn der Versicherungsnehmer frühzeitig stirbt. In Deutschland und Österreich erhalten die Angehörigen die Todesfallleistung abzüglich der Aufwendungen des Policen-Käufers. Denn der Vertrag bleibt ganz normal bestehen. Die Händler profitieren nur dann richtig von der Versicherung, wenn das Laufzeitende erreicht und die Versicherungssumme samt Überschuss ausgezahlt wird.
Kunden, die sich von ihrem Vertrag trennen wollen, können unterschiedliche Wege einschlagen. Einerseits gibt es viele Firmen, die Policen direkt aufkaufen. Um möglichst viel Kapital zu erhalten, müsste man mehrere Angebote einholen und vergleichen. Das kostet viel Zeit. Und: Viele Käufer arbeiten nur mit Versicherungsverträgen bestimmter Gesellschaften. Der andere Weg wäre die Versteigerung der Lebensversicherung über entsprechende Portale. Dazu müssen die Eckdaten des Vertrages eingegeben und eine Vollmacht zur Abfrage der Daten bei der Versicherung ausgefüllt werden. Sobald der Vertrag online gestellt wird, können die Investoren auf die Police bieten.
Die Lebensversicherung zu verkaufen bringt dann weit mehr als sie zu kündigen und an die Versicherungsgesellschaft zurückzugeben. Im Schnitt liegt der Unterschied bei rund sieben Prozent. Zu bedenken ist dabei auch, dass bei einer vorzeitigen Kündigung (vor Ablauf von zwölf Jahren) Steuern anfallen. Da haben es die Österreicher nicht besser. Hier ist es eine Strafsteuer in Höhe von sieben Prozent, wenn die Versicherung binnen zehn Jahren storniert wird.
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