Vielen droht Altersarmut
60 Prozent des letzten Brutto-Einkommens sind nötig, um den Lebensstandard einigermaßen halten zu können. Für die meisten Deutschen scheint dieser Wert laut einer Studie des Rentenexperten Bernd Raffelhüschen vom Forschungszentrum für Generationenverträge der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg unerreichbar. Vor allem für die jetzt 20- bis 35-Jährigen sagt der im Auftrag der Union Investment erstellte Vorsorgeatlas eine düstere Zukunft voraus. 50 Prozent von ihnen kommen demnach auf einen gesetzlichen Rentenanspruch von unter 958 Euro, damit einer Ersatzquote von lediglich 36,1 Prozent – deutlich weniger als die nötigen 60 Prozent. Im Schnitt erreicht diese Altersklasse 39,3 Prozent.
Zuversichtlich können nur wenige Deutsche Richtung Ruhestand blicken. Jedem Vierten drohen deutliche Wohlstandsverluste und damit Altersarmut. Das gilt selbst dann, wenn zusätzlich private Altersvorsorge betrieben wird, über eine Riester-Rente, die Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst oder aber betriebliche Vorsorgemechanismen. Den Standard halten können nur rund 25 Prozent der Bundesbürger. Berechnet haben die Experten eine durchschnittliche gesetzliche Rente von 984 Euro für alle 20- bis 65-Jährigen. Dieser Wert entspricht 43 Prozent des letzten Bruttogehalts. Beamte sind etwas besser gestellt: Sie kommen auf 2570 Euro (63 Prozent).
Gegenüber der Bild-Zeitung äußerte sich der Ex-Regierungsberater Professor Winfried Schmähl besorgt über die Ergebnisse der Studie. „Vielen Deutschen droht künftig Altersarmut, wenn nicht gehandelt wird“, lautet seine Prognose. Verantwortlich dafür sei die Absenkung des sogenannten Rentenniveaus, die 2006 beschlossen wurde. Die private Altersvorsorge wertet der Experte als unumgänglich, weiß aber auch, dass es gerade für Menschen mit niedrigem Einkommen und Arbeitslose sehr schwer ist, Zusatzversicherungen überhaupt bezahlen zu können. Vielleicht öffnet der Vorsorgeatlas der Politik die Augen für die zukünftigen Probleme. Immerhin ist er als „Handlungsrahmen für weitere Entscheidungen“ gedacht.
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