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Mittwoch, Juni 25, 2008

Was kann ich als Privatmann tun, um die Finanzkrise zu überstehen?

Viel wird geredet. Seit Monaten geht es um Banken, die fast ins Bodenlose fallen und nur noch durch Finanzspritzen in Milliardenhöhe vor dem Verfall gerettet werden. Da wird geredet von steigenden Ölpreisen und dem, was die Regierungen und die OPEC dagegen tun können. Immer ist nur von dem Großen die Rede, von dem Globalen. Den einzelnen Menschen mit seinen Sparanlagen, mit seinen Wünschen nach finanzieller Sicherheit, sieht man dabei längst nicht mehr. Die meisten Wirtschaftsexperten haben ihn bereits aus den Augen verloren und ihren Fokus nur noch auf das weltweite Geschehen gerichtet. Aber der Einzelne ist wichtig, da der das Zahnrad ist und zugleich auch der Sand im Getriebe sein kann. Einer hingegen, Max Otte, hat genau diesen einzelnen Menschen mit seinen Geldanlagen ins Visier genommen und ihn zu einem Teil seines Buches „Der Crash kommt“ gemacht. Otte, der an der FH Worms Professor mit dem Schwerpunkt Finanzierung ist, hat ihn schon vor einer Weile kommen sehen, den Zusammenbruch. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen zeigt er jedoch nicht nur die negativen Seiten der Weltwirtschaftskrise auf, sondern zeigt, was jeder dazu tun kann, um die finanziellen Folgen der globalen Finanzkrise zu überstehen. Seiner Ansicht nach sollte man sein Einkommen auf mehrere Füße stellen und sich mehrere Einkommensquellen verschaffen, um den Boden nicht zu verlieren. Das können zum einen Kapitalanlagen sein, Aktien oder Goldanlagen, oder Nebentätigkeiten. Wer vorsorgt, der ist gewappneter. Natürlich lassen sich niemals alle Risiko ausschließen, aber wer für eine große Krise seine Geldanlagen viertelt, der steht am Ende sicherer da, als jener, der nur auf Aktien oder nur auf den Goldpreis baut.

Otte rät deshalb, je 25 Prozent in vier verschiedenen Bereichen anzulegen:

  • Aktien
  • Gold und Goldaktien
  • Immobilien
  • Bargeld und Anleihen

Seiner Ansicht nach sollten Immobilien übrigens maximal 30 Prozent des ganzen Vermögens ausmachen. Wenn die Immobilie gar 50 oder noch mehr Prozent des eigenen Vermögens „bindet“, sollte man sich überlegen, diese zu verkaufen. Und das aus einem ganz einfachen Grund, wie der verständige Leser gleich beim Lesen dieses Satzes begreift: Wenn ein Verfall der Immobilienpreise kommt, wie es seit Monaten in den USA und inzwischen auch in Großbritannien der Fall ist, verliert man dann wesentliche Teile seines Vermögens. Zwar ist ein eigenes Heim als Altersvorsorge immer gut, es sollte jedoch noch andere Anlagen geben, um Krisen wie die jetzige überstehen zu können.

Doch Otte schreibt auch über die „Stabilitätsfalle Euro“. Während in der ganzen Welt der Euro immer mehr gelobt wird und auch ständig im Kurs steigt, spricht er eine eindeutige Warnung aus:
„Eigentlich hätte die europäische Wirtschafts- und Währungsunion einen Wachstumsschub sondergleichen auslösen sollen. Um 1990 ließen die Befürworter des Projekts, vor allem die deutsche und die französische Regierung, keine Gelegenheit aus, die Wachstumsimpulse durch den Binnenmarkt und die stabile Einheitswährung hervorzuheben. Stattdessen hat sich die Wirtschafts- und Währungsunion zu einer gigantischen Deflationsfalle entwickelt. Das Wirtschaftswachstum in Euroland bleibt quälend niedrig, die Arbeitslosigkeit ist weiterhin hoch. In den meisten Köpfen spukt noch die Angst vor einer Inflation herum, dabei muss uns eher die Möglichkeit einer anhaltenden Deflation Sorgen machen.

Dies bedarf einer gewissen Erklärung. Die Privathaushalte haben in den letzten Jahren eine deutliche Verringerung der Kaufkraft durch den Preisanstieg bei verschiedenen Gütern und Dienstleistungen hinnehmen müssen. Das hing fast ausschließlich mit dem Anstieg der Energiepreise zusammen, die außerhalb Europas gemacht werden, sowie mit den Verteuerungen in der Gastronomie, bei bestimmten Dienstleistungen und bei Lebensmitteln. In den siebziger Jahren wäre Inflation die Folge gewesen: Die Gewerkschaften hätten höhere Löhne durchgesetzt.
Heute ist die Wirkung jedoch deflationär: Ihre gestiegenen Ausgaben können die Privathaushalte nicht auf die Arbeitgeber abwälzen, da die Einkommen stagnieren und Lohnerhöhungen kaum durchsetzbar sind. So wird letztlich nur Einkommen umverteilt. Durch die gestiegenen Preise fällt Nachfrage aus, weil die Verbraucher die höheren Ausgaben für bestimmte Güter und Dienstleistungen an anderer Stelle einsparen.“

Während die Europäische Zentralbank noch von einer Inflation spricht und den Leitzins erhöhen möchte, sieht es also in Wirklichkeit ganz anders aus. Der Rat Ottes, sich mehrere verschiedene Einkommensquellen zu verschaffen, ist hier einer der wichtigen Ansätze, für sich selbst, als Privatmann, etwas tun zu können. Das Nutzen mehrerer, verschiedener Anlagemöglichkeiten für das eigene Geld ist der andere wesentliche Ansatz, um heil durch die Krise der Weltwirtschaft zu kommen. Deshalb: Legen Sie Ihr Geld gut verteilt an. Auf Tagesgeldkonten, da Ihr Geld hier gut verzinst ist und dennoch immer auch schnell wieder verfügbar. Gold und Goldaktien, die als längere Anlagen laufen können, da der Goldpreis im Steigen ist. Aktien, aber nicht nur von einem Unternehmen und nicht unbedingt Risikoanlagen, auch wenn die Renditen auf den ersten Blick den Mund wässrig werden lassen. Jeder kann etwas tun, mit seinem Geld, man muss nur das Richtige tun!

(Auszug aus Max Otte: Der Crash kommt – Mit freundlicher Genehmigung des Ullstein Verlags)

 

Posted by Christel on 06/25 at 10:29 AM
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