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Mittwoch, Juni 22, 2011

Weiterer Ärger bei der Ergo: Kunden sollen falsch beraten worden sein

Die Skandale beim Ergo Versicherungskonzern reißen nicht ab. Erst die Sex-Party, dann fehlerhafte Riester-Anträge und jetzt auch noch der Vorwurf, dass Vertreter ihre Kunden mit Blick auf die eigene Provision falsch beraten und in einen völlig unrentablen Vertrag gedrängt haben sollen. Das wirft kein gutes Licht auf das Unternehmen, schadet der gesamten Branche und wird ganz sicher Konsequenzen haben. Ein Aufsichtsratsmitglied des Ergo-Mutterkonzerns (Munich Re) fordert vom Vorstand, „ohne Rücksicht auf Personen“ durchzugreifen.

Strafrechtlich spricht ein Experte von „vorsätzlich fortgesetztem Betrug“. Die Einschätzung des ehemaligen Staatsanwalts Volker Hoffmann (Mainz) beruht auf der Tatsache, dass dem Konzern sehr wohl bewusst war, dass die Gebühreninformationen in den Anträgen für die Riester-Rente falsch waren. „Wir haben ermittelt dass der Fehler im Oktober 2005 der Antragsabteilung bekannt wurde. Wir untersuchen derzeit, was daraus geworden ist“, erklärt Ergo-Sprecher Alexander Becker gegenüber dem Handelsblatt. Das heißt, die Assekuranz hat fünf Jahre lang einfach nur abgewartet und vom Fehler profitiert - zu Lasten der Kunden. 14.000 sollen es laut Ergo sein. Generalvertreter sind nach wie vor davon überzeugt, dass es bis zu 70.000 Betroffene sind.

Etwas überschaubarer ist der neue Vorfall, diesmal bei der Victoria. Hier geht es um 2.000 bis 4.000 Kunden, die ihre Lebensversicherung beitragsfrei gestellt hatten. Ihnen war von den Vertretern des Konzerns ab Juli 2009 geraten worden, den Vertrag ganz zu kündigen und das Kapital als Einmalbeitrag in eine Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr zu investieren. Dass dabei möglicherweise Steuer-, ganz sicher aber die Zinsvorteile verloren gehen, wurde wohlweislich verschwiegen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband nennt es einen „unglaublichen Vorgang, bei dem es nur um Abschlussprovisionen ging“. Der Ergo-Konzern selbst verwehrt sich gegen den Vorwurf eines systematischen Vorgehens. Vielmehr habe der Vorstand sich gegen diese Praxis ausgesprochen. Jetzt gibt es bei der Ergo noch mehr aufzuklären. Da sollte man sich nicht wundern, wenn die Branche verärgert von „Salamitaktik“ spricht.

Posted by Andre on 06/22 at 12:57 PM
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