Wer ist “der” Deutsche, den die Krise kalt lässt?
Das Leben bietet viel, aber verspricht nichts. - Die asiatische Weisheit mag den Deutschen in der Mehrzahl unbekannt sein, doch trotz konjunkturell schlechter Zuständen fällt “der” Deutsche nicht in Zweifel, Depression oder tiefste Unzufriedenheit. Nein, er bleibt trotz Wirtschaftskrise gelassen.
Das jedenfalls will die Gesellschaft für Konsumforschung festgestellt haben, wobei “der” Deutsche jedenfalls nicht spart (?) und viel eher das Geld mit vollen Händen ausgibt. Wer allerdings konkret dabei mitmachen kann, bleibt offen, was zu der statistisch erhobenen Tatsache führt oder besser geführt hat, dass die Konsumlust als auf hohem Niveau gegeben sei. Es sei, so die Konsum- und Verhaltensforscher, wie einst im Berlin der 1920er Jahre: man/frau genieße das Hier und Jetzt, gönne sich was, nicht wissend, ob man es sich in einigen Jahren noch wird leisten können. Wer ohne Studium der neuen Geschichte weiß jedoch, wie es Berlin einst hat krachen lassen…? Viel eher weiß man nur, was die Krise täglich für Schlagzeilen erhält. Ist folglich die Krise bei “den” Deutschen noch immer nicht angekommen?
Oh, doch! Denn die Umsätze in der Gastronomie sind eingebrochen, die Passagierzahlen bei den Luftfahrtgesellschaften gehen zurück. Hotels bieten sieben Tage zum Preis von fünf - der Deckungsbeitrag für die fixen Kosten wird zur kalkulatorischen Größe. Hier “die” ungeprüften Krisen-Vorschläge für “die” Deutschen zwischen Sylt und Bodensee:
Ein Haus bauen
Schon lange war es nicht mehr so billig, ein Haus zu bauen. Zur Zeit gelten die Zinsen mit fünfjähriger Bindung als effektiv unter vier Prozent als günstig. Voraussetzung: Die Quote an Eigenkapital passt zur Bonität des Schuldners und die liegt bei 20 Prozent des Kaufpreises plus Nebenkosten wie Grunderwerbssteuer, Notar- und Maklergebühren.
Finanzen ordnen
Kapitalanleger, die in den letzten 18 Monaten Verluste (möglicherweise auch realisiert) hatten, dürfen hoffen, dass der Rezession wieder steigende Kurse folgen. Während die Daten des Arbeitsmarktes als verzögerte Indikatoren gelten, gilt der der Aktienmarkt in der Regel als vorauseilend. Vertraut man auf Erfahrungswerte, steigen auch die Aktienkurse ein halbes Jahr bevor die Wirtschaft wieder anzieht.
Für den risikoscheuen Anleger empfiehlt sich den Großteil der Mittel in Tagesgeld oder in kurzfristigem Festgeld zu binden, weil trotz sinkender Zinsen der Geldmarkt noch immer Anreiz bietet. Wer kann, der darf für nach der Krise schon jetzt inflationsgeschützte Anleihen kaufen.
Fürs neue Auto kassieren
Noch ist auch Zeit, günstig ein Auto zu kaufen. Die Abwrackprämie (Ablauf im September?), hohe Rabatte und wenig an Inflation machen es möglich. Da ist das Navi beim Händler eher schon die Draufgabe. Wer schließlich in 2010 als heute guter Verkäufer am Markt verschwindet, kann dem Kraftfahrer zunächst egal sein…
Risiken langfristig und kapitalisiert sichern
Auch die klassische Lebensversicherung kann ein guter Weg sein, waren und blieben die Versicherer bislang vergleichsweise krisenfest. Und wenn die garantierte Verzinsung sich bald nicht mehr wird halten lassen, der schließt dann zu spät ab.
Noch widersprechen die Verbraucherschützer, sich in der Krise mit lang laufenden, teuren Versicherungen zu belasten. Doch auch hier gilt: Wer kann, der darf, auch wenn es “der” Deutsche für besser halten sollte, das Geld zur Bank zu bringen.
Fragt sich bloß: Wieviel hat “der durchschnittliche Deutsche” für diesen Zweck?
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