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Mittwoch, September 10, 2008

Wohnung oder Haus?

Die Vorstellung von den eigenen vier Wänden beschäftigt schon immer Generationen zwischen Flensburg und Konstanz bei glasklaren Tatsachen: die Wohnung ist günstiger, das Haus bietet im Allgemeinen mehr Platz. Doch die Entscheidung ist vor allem auch eine Frage der Finanzierung.

Nähme man es salopp, wie es dem einstigen irischen Dandy Oscar Wilde zugeschrieben wird, dann gelte dessen einfacher Geschmack: Stets nur das Beste. Und auch ein Literat wie Erich Kästner hatte nur ganz bescheidene Ansprüche: Vor dem Haus die Nordsee, nach hinten raus die Alpen.

Doch die Quote der Deutschen, die sich Wohneigentum leisten wollen und können, liegt mit 40 plus x Prozent im europäischen Vergleich eher noch niedrig, obwohl sich rund 80 Prozent der Mieterhaushalte das Häuschen am Stadtrand oder die großzügige Wohnung in guter Citylage dann doch auch wünschen.

Gutes Einkommen und das zugesprochene Darlehen bedeutet dann aber in manchen Fällen auch ein relatives Luxusproblem; und zwar im Vergleich zu jenen Millionen, die dauerhaft und wohl für immer zur Miete leben müssen. Das Luxusproblem wird nämlich zur Frage: Haus oder Wohnung? Keine leichte Antwort, denn beides hat Vor- und Nachteile. Viele Gründe sprechen für ein Haus und gegen eine Wohnung - und umgekehrt,  wie es auch Finanzberater, Bauträger oder Makler sehen.
Stress macht am Anfang die Tatsache, dass beide Alternativen sowohl über das Familienbudgets wie auch über den Bauch zu entscheiden sind. Große Gefühle sind also mit im Spiel. Wie falsch oder wie richtig es ist, nur zu rechnen, kann schließlich auch fatal werden.

Freistehendes Haus

Ein Haus ohne direkte Nachbarn finden Träumer meist draußen im Grünen. Weshalb Familien mit Kindern die idealen Käufer sind. Kinder wachsen auf, weg von Lärm und Verkehr, die Liebe der Eltern pflegt schließlich auch den Garten und schafft seelisches Gleichgewicht. Das alles kann sich wegen der Grundstückspreise rechnerisch beweisen lassen. Doch der Standort-Nachteil liegt auf der Hand: die Wege zur Arbeit oder zur Schule werden wohl länger…
Und auch die Infrastruktur - der ÖPNV, die Nahversorgung, der Kindergarten - muss zum Haus am Stadtrand passen. Und wer gar die Gartenarbeit eher nicht mag, dem hilft der Aufwand für Heim und Herd, für Grund und Boden beim Entschluss gegen die Stadtrandlage.

Reihe und halbes Doppelhaus

Tuchfühlung mit Nachbarn, statt freier Fläche und viel Grün ist nicht jedermanns Sache, wenn auch “die” bedingte Möglichkeit, sich eigene vier Wänden zu leisten.
Als gutes Argument gilt der geringere Preis im Vergleich zu frei stehenden Objekten, denn Erschließungs- und Anbindung belasten gleich auch mehrere Schultern.
Im direkten Nebeneinander können sich Vorteile auch bei laufenden Ausgaben darstellen. Bei weniger Wand sind auch Heizkosten um 30 bis 50 Prozent niedriger.
Bleibt die Frage: Nervt irgendwann der Nachbar doch oder überwiegt der finanzielle Vorteil?

Hohe Räume und altes Parkett

Noch immer werden sie saniert und restauriert - jene ehemaligen Prachtbauten aus vorigem Jahrhundert, die heute denkmalgeschützt hohe Decken, Parkettboden und schließlich allerbeste Neu-Ausstattung bieten. Keine Frage des Geldes, wenn man solches hat, doch Alles eine Frage des Geldes, aber träumen Sie weiter.
Wer sich die halbe Million Euro als Belastung zutraut, wer häufig als Single lebt und wer kinderlos bleiben möchte, mag sich auch für das Loft oder die Penthouse-Wohnung entscheiden -  100 000 Fälle jährlich und doch die Seltenheit.
Dagegen haben normale Wohnungen in guter Citylage durchaus Vorteile; der Kaufpreis ist wegen des Mit-Eigentums deutlich geringer als bei einem Haus. Maßgeblich auch die Infrastruktur bei städtischer Lage sowie die Parkraumgelegenheit und die eventuell gute Vermietbarkeit.

Achtzig Quadratmeter mit zwei bis drei Zimmern und Küche, Diele, Bad sind für den eigenen Bedarf oder um sie zu vermieten die ideale Größe. Was einem bleibt sind die Nachbarn und ist die regelmäßige Eigentümerversammlungen, für die man sich allerdings durch die Hausverwaltung kann vertreten lassen.

Obligat: die Hausordnung

Sind es Haustiere, die Treppenreinigung oder der soziale Lärm - irgendwie fliegen auch mal grobe Worte in der Eigentümerversammlung. Das muss nicht sein, wird aber ansonsten deutlicht, wenn Modernisierungen oder Instandhaltungen anstehen, die die einen befürworten und andere ablehnen.

Erwerb von Wohneigentum macht also erst klüger, wenn man ihn erfahren hat. Und manch einer hält es dann eher mit den Freidenkern: Der Immo-Profi wohnt zur Miete.

Posted by wob. on 09/10 at 08:35 AM
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