Zerstört das Komasaufen unser Gesundheitssystem?
Es ist Fakt: Komasaufen kostet Millionen von Euro jährlich. Allein bei der Techniker Krankenkasse, der TK, liegen die momentan laufenden Entgiftungen bei fast einer Million Euro. Die Zahlen schreien zum Himmel. Innerhalb von nur fünf Jahren hat sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die sich per Alkohol ins Koma wegschießen, fast verdoppelt. Die Frage ist, wo sind die Eltern, die eine Verantwortung tragen? Schauen sie längst weg oder begeben sie sich selbst regelmäßig ins Koma und ihre Kinder machen es ihnen einfach nach?
Die TK ist die erste Krankenkasse in unserem Land, die nun Zahlen zu dem wichtigen Thema Komasaufen veröffentlicht. Auch die Politik ist längst auf den Plan gerufen. Den Zahlen der Techniker Krankenkasse zufolge wurden im Jahre 2003 962 betrunkene Personen unter 20 Jahren in ein Krankenhaus eingeliefert und mussten dort versorgt werden. Im vergangenen Jahr lag diese Zahl bereits bei 1.822 Personen, was eine Steigerung um fast 90 Prozent bedeutet. Die Behandlungen dauerten dabei im Durchschnitt 1,2 Tage und schlugen mit etwa 540 Euro als Kosten für die Krankenkassen zu Buche.
Hierunter sind jedoch noch nicht die Kinder und Jugendlichen enthalten, die bei anderen Krankenkassen, sei es Gesetzliche oder Private – versichert sind. Der aktuelle Drogenbericht besagt, dass im Jahre 2007 20.000 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 20 Jahren klinisch behandelt werden mussten, wegen Alkoholmissbrauch.
Die Sprecherin der Techniker Krankenkasse sagte der „Frankfurter Rundschau“ zu den Zahlen: „Unsere Daten betreffen nur Fälle mit der 100-prozentigen Diagnose ‘akuter Alkoholrausch’. Anschließende Folgebehandlungen tauchen hier gar nicht auf. Wahrscheinlich sieht das tatsächliche Bild noch schlimmer aus“. Erschreckende Zahlen, erschreckende Tatsachen. Noch trinken sich mehr Jungs als Mädchen zum Koma, 668 der 1.822 Alkoholpatienten im Jahr 2007 waren weiblich, 1.134 männlich. Aber wie bei allem wird hier die Tendenz wohl steigend sein.
Das Fatale bei dem Ganzen ist nicht allein der gesundheitliche Schaden, sondern der finanzielle Schaden, der dadurch den Krankenkassen und dem Gesundheitssystem entsteht. Auf der einen Seite werden Leistungen gestrichen, auf der anderen explodieren die Kosten aufgrund des Komasaufens. Es kann einfach nicht sein, dass Menschen, die es sich kaum leisten können, Praxisgebühr und Zuzahlungen zu Medikamenten aus ihrem schmalen Geldbeutel tragen müssen, auf der anderen Seite aber Millionen aufgrund selbstschädigenden Verhaltens gezahlt werden müssen. Leider wurde dem Thema Alkoholsucht zu lange viel zu wenig Aufmerksamkeit beigemessen in unserer Gesellschaft. Trinken gehört eben zum guten Ton. Die Folgen davon können wir jetzt aus den Zahlen der Techniker Krankenkasse ablesen. Es wird höchste Zeit, hin zu sehen und nicht mehr weg zu schauen.
